Unterirdisches in Dutzow

Am 26. Januar 1722 fing es im Hause Joachim Dunkelmann's in Sandfeld, das zum Gute Dutzow gehört, an zu spuken mit heftigem Rumoren und allerlei seltsamen Aufzügen und Affenspiel. Der Verwalter von Dutzow, Heinrich Georg Haenell, hat Alles ordentlich aufgeschrieben, von Tag zu Tag, und nachher hat der Notarius Rüdemann von Gadebusch am 23. April 1722 siebenundzwanzig Zeugen nach abgenommenen Zeugeneid darüber vernommen, und sie haben es bekräftigt, daß Alles geschehen sei, wie es niedergeschrieben, und die Geschichte ist in Hamburg gedruckt worden.
Damit fing es zuerst an, daß die brennende Lampe auf der Diele weggenommen ward, und es waren alle Leute dabei gegenwärtig und doch konnte man nicht sehen, wo sie geblieben, und man hat sie auch nicht wiederfinden können. Als man sich andere Lampen lieh, da sind sie alle weggekommen.
Am 26. Januar aber ging gegen Abend, als es bald finster werden wollte, das Rumoren erst recht an, Alles, was in der Stube war, ward untereinander geworfen, und als am folgenden Tag den Leuten, alles, was auf den Borten war, um die Köpfe geworfen ward, konnten sie doch Niemand sehen, der es tat. So ging es mehrere Tage lang, es wurden Türen und Wände zerschlagen und nichts blieb an seiner Stelle. Der Beutel mit Bohnen lief im Garten fort und man sah doch keinen, der ihn fortschleppte. Mit Dornen hatte man das Loch in der Wand verstopft, Katzen rissen sie wieder heraus, ein Licht, welches man dort fand, konnte man nicht halten und es war verschwunden, ohne daß man weiß, wohin.
Bei all diesem Poltern und Rumoren im Hause ließen sich die zwei fremden Katzen von Dunkelmanns Kindern sehen, aber die Eltern sahen sie nicht. Sie waren aber auch nicht recht wie andere Katzen, sondern bald als ein Hund mit kurzen Ohren, halb grau und halb weißlich. Und diese Katzen haben etliche Male auf dem alten Backofen getanzt und gesprungen, sind aber die Kinder zu ihnen gegangen, so sind sie immer nach Kneese hinwärts gelaufen und sind durch den Kneeser Bach geschwommen und haben sich dann etlichemal umgesehen, gehüpft und gesprungen.
Eines Abends wollten die Kinder vom Hofe Holz einholen, da sahen sie etwas, das auf dem Pfahle saß, so groß etwa wie der kleine Hans von drei Jahren. Und das Ding sah pockennarbig aus und hatte grüne, rotgelbe und blaue Streifen auf dem Leibe und sprang und hüpfte immer auf dem Pfahlwerk. Da kam den Kindern ein Grauen an und sie liefen ins Haus, um die Mutter zu holen. Als diese aber mit ihnen hinausgegangen, da ist das Männlein schon weggewesen.
Alles ward untereinander geworfen, es ist nichts im ganzen Hause festgeblieben. Was in der Stube und Kammer gewesen, ist auf der Diele oder im Garten oder an anderen Orten wiedergefunden. Dabei ward auf die Leute geworfen, sogar mit eisernen Ringen vom Pflugrad, die glühend heiß waren. Und die Bösen hatten vor niemand Scheu, selbst nicht vor dem Verwalter, auch nicht vor dem Sonntag, denn obgleich in der Kirche von Roggendorf um Befreiung gebeten ward, währte doch das Rumoren und Werken mit glühenden Eisen und Steinen fort. Der Deckel von der Lade tat sich von selbst auf und zu, und obgleich sich die zwei größeren Kinder daraufsetzten, konnten sie ihn nicht halten und alles Zeug, das in der Lade war, ward hinausgeworfen. Die Bolten lagen andermal mitten in der Stube und es kam ein so unleidlicher Geruch, daßs man es darin nicht aushalten konnte.
Es war am 6. März. um Mittagszeit, als die Eltern mit den größeren Kindern draußen waren, und der kleine Junge allein in der Stube, wo sie ihn weinen hörten. Und die ältere Schwester fand ihn nicht mehr in der Stube, sondern bei dem alten Backofen, von wo sie ihn wegholte, und da hat das Kind gesagt, daß ihn eine kleine, fremde, ganz weiße Dirne dahingezogen habe.
Als nun die Kinder allesamt im Hause auf der Diele spielten, verloren sich im Augenblick das älteste und das jüngste Mädchen von den Kindern, und als diese es den Eltern anzeigen und sie suchen und rufen, sind sie nirgends zu finden. Nach Verlauf einer halben Stunde stehen die beiden Mädchen wieder auf der Diele, und als sie gefragt werden, wo sie gewesen wären, sagen sie, sie wüssten es nicht. Es wäre ihnen vorgekommen, als wäre die Diele aufgetan und sie auf einer Treppe unter die Erde gegangen und wären in ein großes Haus gekommen, worin sehr viele Manns- und Frauenspersonen gewesen, so aber alle klein, wie der kleine Hans von drei Jahren. Und am anderen Tag sind diese beiden Dirnen abermals weggekommen, die beiden anderen nach einer halben Stunde. Auch der älteste Junge ist von der Seite seiner Mutter weggekommen, kommt aber bald wieder auf die Diele zu stehen und sagt weinend, er sei auch unter der Erde gewesen. Als der Verwalter zu ihnen kommt, fand er, daß alle die Kinder, so ihrem Vorgeben nach unter der Erde gewesen, krank lagen, und war besonders der Junge voller Blasen und Schwären und im Gesicht verschwollen.
Anna Katharina, 13 Jahre, Anna, 12 Jahre, Joachim Heinrich, 10 Jahre und Elisabeth, 5 Jahre alt, erzählen nun, es sei ihnen vorgekommen, als ob sich die Erde vor ihnen auftäte, und wären sie in einem Augenblick auf einer Treppe in die Erde hineingegangen. Da wären sie in ein großes Haus gekommen, so inwendig schön ausgeputzt gewesen und von Gold geglänzt habe. In diesem Haus wären viele ganz kleine Manns­ und Frauenspersonen, welche nur so groß als ihr kleiner Hans gewesen, und hätten krumme Arme und Beine und dabei sehr große dicke Köpfe gehabt. Diese Leute waren sehr beschäftigt, etliche reiseten aus, andere kamen wieder zu Hause, einige kochten sehr viel Essen, andere fütterten das Vieh, als Ochsen, Kühe, Pferde und sofort, die auch da waren, und was dergleichen mehr war, was sie alles nicht so sagen konnten, wie sie es gesehen. Sie wären auch mit diesen Leuten in ihrer Kirche gewesen, wo der Prediger gepredigt hätte und hätten die kleinen Leute sie sehr gebeten, sie sollten doch da bleiben, hätten ihnen auch eine ganze Schürze voll Gold gegeben. Als sie aber darin nicht willigen wollten, hätten sie ihnen das Geld wieder weggenommen und wären im Augenblick wieder auf der Diele gewesen.
Die beiden Mädchen, die zuerst weggewesen, fügten noch hinzu, daß ihnen die kleinen Leute das erste Mal Essen und Trinken angeboten, Anna Katharina habe davon gekostet, weiß aber nicht, wie es geschmeckt. Es wäre auch damals eine schöne Kutsch gefahren kommen und hätten die Leute gesagt, es wäre ihr Oberster, der käme zu Hause. Es haben aber die kleinen Leute den Kindern verboten, nichts nachzusagen oder es würde ihnen sonst nicht gut gehen. Die Kutsch hatte am hellen Tage der Knabe von Kneese kommen sehen und war sie in ihrem Garten in die Erde hineingefahren und verschwunden. Gar viel mehr kann noch die alte Großmutter, wenn sie am Herde sitzt, und die Anderen alle um sie umherstehen, von dem erzählen, was sie erlebt hat, als die Unterirdischen ihr Possenspiel getrieben haben in Dunkelmann's Hause. Da haben sie gläserne Hafen und Lampen und eine zinnerne Kanne gar possierlich zusammen gebunden und oben am Stubenboden aufgehängt, ein andermal haben sie auf die Erde ein Tischlaken hingedeckt und dies mit Brot und Heringen besetzt und zwei Puppen darneben gestellt, als wenn die essen wollten. Ein andermal, als die Tochter krank im Bette lag, flog daßelbe immer auf und nieder, als wenn die Schweine darunter wühlten, ein Wagen lief von selbst in den Kneeser Bach, mit Stangen ward in die Kammer hineingestoßen, aber niemand sah, wer solchen Unfug anrichtete.
Die Kinder aber konnten die Gespenster sehen. Einmal sahen sie einen großen gelben Hund oben auf dem Stubenboden, der ungemein hässlich und grausam aussah, sein Maul war wie ein Kuhmaul und seine Nase wohl eine Elle lang, die Augen waren so groß wie ein Kindskopf und hatte er nur drei Beine, denn das eine Hinterbein war nicht da, und der setzte die Stubentür mit einer großen Tonne zu, so daß weder die Mutter noch die beiden Wächter hinaus kommen konnten. Ein andermal sahen sie ein weißes Ding als ein Kind in ihrem Kohlhof über den springen, und als es bei dem Namen Nörken (Eleonore) gerufen ward, da stand es stille und sagte, sie sollten ihm die blaue kattunene Schürze bringen, so wollte es auch nicht wieder kommen. Die Schürze ward hingebracht und kam über den Zaun, an dem sie hingelegt war, ohne daß jemand sah, der sie hinüber zog. Gleich darauf berichteten die Kinder, der weiße Geist hätte ihnen gesagt, er sei ein Engel und darum gekommen, daß der große Kettenhund, so im Hause wäre, sie nicht ganz verderbe, sie sollten fleißig beten und sich zu Gott halten. Er sagte ihnen auch, vor allen Leuten könne er sich nicht sehen lassen, denn die hätten allzu große Sünde getan. Auf den Rat des Geistes stiegen nun Dunkelmann und seine Frau auf den Boden und trieben den Hund fort, der aber niemand sah, und da ward es einen Tag stille. Aber es lagen noch Teufel im Vorschauer, die wurden auch mit Forken herausgetrieben und ein schwarzes Ding wie eine Katze kam heraus, das von einem der Kinder mit einem Steine geworfen wurde, wofür nachher dem Vater ein Beil nachgeschleudert ward, aber es traf ihn nicht.
Ein andermal hatte eine große Maus den ganzen Ladendeckel beschmutzt, als wären Gänse darauf gewesen. Und wie die Geister sagten, wollten sie noch einmal einen "Sluptog doon", da polterte es arg und die Kinder sahen, wie viele rauhe Dinger, bald wie Kälber, aber nicht so groß, sich vor der großen Tür aufschwangen und anfingen zu fliegen, und ein großer blauer Mann flog hinter ihnen her und hatte eine große Peitsche, womit er die Dinger immer peitschte, die Eltern aber konnten das nicht sehen. Die Kinder aber sahen öfter noch die Gespenster, einmal als einen Jungen, der in der Stube Alles umstellte, dann zwei kleine Frauen, von denen die eine einen Sack voll Mehl auf dem Rücken, die andere zwei kleine Eimer auf einer Wassertracht trug, ein andermal nahm eine kleine weiße Frau dem kranken Kinde den Pfannkuchen weg, dem ihm die Mutter gebacken hatte. Und noch viel mehr ist geschehen, Lebensmittel wurden weggenommen, dem Kinde die Kleider vom Leibe gerissen, mit Unflat und Gestank die Stube besudelt, man kann lange davon erzählen, denn es hat bis zum 30. März, also etwa neun Wochen, getobt.
Endlich gelang es dem Pastor Adam Joachim Eckhardi in Roggendorf, die Unterirdischen wegzubeten, und so zogen sie von dannen. Es erschien eines Tages ein keines graues Männlein im Fischerhause am Schalsee und hat den Fischer gedungen, es den ganzen Tag über die Enge des Sees von Ufer zu Ufer unaufhörlich hin und her zu fahren. Und als der Fischer nun so fährt, da sieht er mit Erstaunen, daß sein Boot auf der Fahrt nach Jenseits so tief geht, und wenn er zurückkehrt so flach. Da fragt er denn endlich seinen grauen Gefährten, woher das so seltsam mit dem Kahne wohl sei. Da hat ihm das Männlein die Augen geöffnet und er sieht, wie über die Lüneburger Berge in dichten schwarzen Zügen ein ganzes Heer von Kobolden und Unterirdischen in das Lüneburger Land hineinzieht. Zurückgeblieben ist keiner.

Unterirdisches in Dutzow - Plattdeutsch

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